22. Februar 2009

WOLWIN: StartUp in der Erotikbranche

von Juliane Veloso

Wolters und Windler gründeten WOLWINFlorian Wolters, geschäftsführender Gesellschafter der WOLWIN GmbH & Co. KG referierte am 12. Februar 2009 erstmalig über die Entstehung und Entwicklung von WOLWIN - der Firma, die er gemeinsam mit Andreas Windler vor zwei Jahren in Bremen gründete.


Die Tatsache, dass Wolters erstmalig vor dem Marketing-Club über sein Start-Up in der Erotik-Branche spricht amüsiert ihn. Denn den Anstoß zu der Idee mit der Selbständigkeit gab die Nationale Juniorentagung des Marketingverbandes im Jahr 2005 in Bremen. Damals moderierte Wolters einen Workshop für die FUN FACTORY in Bremen.

Aller Anfang ist schwer, das mussten auch die Gründer von WOLWIN erfahren. Das Unternehmen sollte von Beginn an weltweit agieren können und dazu benötigten Wolters und Windler Kapital – viel Kapital. Von der Idee bis zum konkreten Konzept vergingen Monate. Erste Gespräche mit Banken und Investoren warfen Fragen auf. Beide Gründer wiesen fachlich sehr viel Kompetenz auf, nichts desto trotz wollten sie Liebesspielzeug für Frauen verkaufen. Wer würde diese Fachkenntnisse dem Unternehmen zukommen lassen? Die Frage nach qualifiziertem und kompetentem Personal stand im Raum. So wurden schon vor der offiziellen Gründung wertvolle Mitarbeiter für das Unternehmen gewonnen. Mit der Expertise von Geschäftsführern und Mitarbeitern gingen die Gespräche mit Banken in die nächste Runde. Im März 2007, nach langen Verhandlungen, zähen Beantragungen und viel Initiative aller Beteiligten wurde die Gründung vollzogen.

WOLWIN startete mit dem Unternehmensziel, designorientierte, hochwertige Konsumgüter – für unterschiedliche Marktsegmente – made in Germany zu entwickeln, zu produzieren und zu vermarkten. Ziel aller Bemühungen im ersten halben Jahr sollte die Fertigstellung eines Sortiments zur Präsentation auf der Venus sein. Die Erotikmesse Venus ist die Ordermesse der Branche und für das Weihnachtsgeschäft ausschlaggebend.

Und die Venus 2007 war laut Florian Wolters ein voller Erfolg. Doch nicht alles, was auf den ersten Blick positiv erschien, war es am Ende auch. Das Sortiment war zur Messe nicht fertig geworden. Das Team von WOLWIN konnte den Messestand lediglich mit Produktmustern ausstatten. Verkaufsware war zu Messebeginn noch nicht verfügbar. Trotzdem waren die Kunden vom dem seriösen und absolut differenzierenden Unternehmensauftritt überzeugt. Und auch das stimmige Markenkonzept von SINFIVE fand bei Händlern, Kunden und Presse großen Anklang. WOLWIN verzeichnete nach vier Messetagen einen sechsstelligen Auftragseingang. Florian Wolters schmunzelt und stellt dem Publikum die Frage: Und was jetzt? Wie sollten die vorbestellten Produkte in der angestrebten Qualität schnell produziert werden? Wie sollten wir dieser Flut an Aufträgen Herr werden?
Die Zeiten wurden hektischer, die Produktion rückte in den Fokus und bestimmte sämtliche Aktivitäten im Unternehmen. Ständige Verzögerungen durch Lieferanten in Bezug auf Anspritztermine oder Abmusterungen verschoben den Verkaufsstart des SINFIVE Sortiments immer wieder. Erste personelle Veränderungen zog dies Ende 2007 nach sich. Das Unternehmen trennte sich von der Produktionsleitung und Wolters musste diesen Part übernehmen. Eigentlich sollte er den Job des Produktionsleiters nur kurzfristig ausüben. Aus Kurzfristig sind jetzt schon fast eineinhalb Jahre geworden. Das jedoch stört den sympathischen Unternehmensgründer nach eigenen Angaben wenig. „So bin ich doch ein Tüftler und Bastler und sehe in jedem Problem eine neue Herausforderung“, erzählt Florian Wolters. Und Herausforderungen sollte es viele geben. Jedes gelöste Problem brachte automatisch ein neues auf den Tisch. Bedingt durch die Unternehmensgröße genoss das Unternehmen WOLWIN bei Lieferanten keine Priorität. Diese lange Produktionsphase hat viel Zeit und vor allem viel Geld gekostet. Anhand einer Vibratorhülle und eines Vibratorbatteriefach zeigt Florian Wolters den Anwesenden, wo Produktionsprobleme lagen und durch welche einfachen Maßnahmen Kosten gespart werden konnten.
Anfang 2008 musste der Gürtel enger geschnallt werden. Das Sortiment war immer noch nicht vollständig. Das Sorgenkind war der Dildo. Mit seinem abschraubbaren Saugnapf stellte er ein enormes Produktionsproblem da. Die Hohe Eigenkapitalquote von 50 % die den Gründern zur Gründung im vorherigen Jahr noch Probleme bereitet kam ihnen nun zu Gute. Eine Nachfinanzierung für das Unternehmen war erforderlich. Durch den positiven Start zur Venus und das durchweg positive Feedback der Kunden meisterten die beiden Geschäftsführer auch diese Hürde. Positive PR Berichte und ein kontinuierlicher, monatlicher Auftragseingang sowie die wichtigen Folgebestellungen bestehender Kunden bestätigten beide Gründer in Ihrer Idee.

Aufgrund der anhaltenden Produktionsprobleme mussten Maßnahmen zum erfolgreichen Abverkauf generiert werden. Neben klassischen Verkaufsdisplays wurden Verkaufsleitfäden gestalten, Flyer gedruckt, YouTube Videos produziert, per Blog kommuniziert  und Fotoshootings durchgeführt.
Das Sortiment, welches im Oktober 2007 auf der Messe präsentiert wurde, war im August 2008 endlich vollständig – neben den Vibratoren und Stimulationsketten konnten endlich auch die Dildos verkauft werden. Mit den zahlreichen Handelswaren, die im Laufe der Zeit dazugekommen sind, umfasst das SINFIVE Sortiment jetzt Produkte jeder Kategorie. Die erotischen Accessoires wie Federhandschellen, Augenbinden und Brustwarzenschmuck sowie Gleitmittel und Aufbewahrungsboxen runden das SINFIVE eigene Sortiment an Liebesspielzeugen ab.

Trotz dieser langen Verzögerung und der vielen Hürden wurde das Sortiment zur Venus 2008 um das Produktsortiment Liebeskugeln erweitert. Diese sind kleiner als Herkömmliche Liebeskugeln und haben zudem eine antimikrobielle Oberfläche. Diese beiden USPs geben den entscheidenden Wettbewerbsvorteil und fanden bei Händlern und Kunden großen Gefallen.
Beide Geschäftsführer haben in den vergangenen zwei Jahren viel gelernt. Flexibel reagieren Sie auf Veränderungen im Markt, aber auch auf Kundenwünsche. Und so vollzog sich mit dem Jahreswechsel 2008/2009 eine Umstrukturierung im Hause WOLWIN. Um nicht wieder von Lieferanten abhängig zu sein erfolgte ein Umzug in Räumlichkeiten mit Lager- und Produktionsfläche. Diese ermöglichen die inhouse Konfektionierung. So werden lange Produktionsprozesse und –wege vermieden und die Wertschöpfung am Produkt steigt.

Und 2009? Was passiert in diesem Jahr? Das verrät Florian Wolters noch nicht. Das Fazit für diesen Vortrag von Florian Wolters in Bezug auf den Schritt in die Selbständigkeit fällt positiv aus: „Fail faster learn faster – jede Selbständigkeit hat Höhen und Tiefen. Aus Fehlern lernen und Prozesse schnell verändern ist das A und O in jedem produzierenden Unternehmen. Und trotz aller Herausforderungen würde ich den Schritt immer wieder wagen.“

Hier gehts zur Bildergalerie zum Vortrag.


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